Der Krieg als Beitrag?!??

Geschrieben von Iris Bawidamann am .

Vorgestern durfte ich bei einem Gespräch mit ukrainischen GFK-Trainerinnen dabei sein. Es hat mich tief berührt und neue Perspektiven aufgezeigt. Der Krieg als gute Erfahrung? Die Wahl haben zu kämpfen als Ressource? GFK im absoluten Härtetest, in einem ganzen Land unter den schwierigsten Umständen??? So habe ich das bisher noch nicht gesehen. Die Einladung der Trainerinnen lautete: “Schaut genau hin, was hier passiert, wir glauben, es gibt viel zu lernen von uns.”

“Es wurde vorhergesagt, das die Ukraine den Angriffen maximal eine Woche entgegenhalten kann. Zum großen Erstaunen vieler, existiert die Ukraine immer noch und beginnt nun Boden zurück zu erobern. Wir glauben, dass das im Wesentlichen deshalb möglich war, weil unsere Gesellschaft einmal mehr eine außergewöhnliche Fähigkeit gezeigt hat, zusammen zu kommen, zu kooperieren, das Wunder von “Macht mit” statt “Macht über” zu erschaffen. Wir sind Zeugen, wie die sanfte Macht verletzlicher menschlicher Verbindungen erstaunliche Resilienz erzeugt im Angesicht der erschreckendsten Demonstration von Gewalt”, so die ukrainischen Trainerinnen. Mir wurde deutlich, dass ich immer noch im Widerstand bin, in der Ablehnung, diesen Krieg nicht möchte. Aber die Menschen dort sind mittendrin, haben ihn akzeptiert (was nicht heißt, dass sie ihn gut finden), bauen auf Menschlichkeit in diesem (un)menschlichen Szenario. Ich war baff erstaunt zu hören, wie sie ihren Zusammenhalt und die Unterstützung von außen feiern, dankbar sind. Wie sie es schaffen, den Fokus immer wieder auf Gutes zu richten. Es wirkt nicht wie ein Wegschauen auf mich, sondern wie volle Akzeptanz und Handlungsfähigkeit. Das war ein weiterer Punkt, den sie sehr hervor gehoben haben: es ist nicht hilfreich, die Menschen in der Ukraine nur als Opfer zu betrachten. Ja, der Krieg war nicht ihre erste Wahl, ja, sicherlich hätten sie lieber Frieden und JA, sie sind handlungsfähig und können immer wieder neu entscheiden, wie sie mit der Situation umgehen.


Ich merke, wie sehr ich am Anfang stehe, das alles zu verstehen, mein Gefühl ist, dass es sich lohnt, sehr genau hinzu hören und zu lernen. Es wirkt, als ob in diesem Schrecken ein wahrer Schatz verborgen ist, den die Ukrainer:innen spüren können, wir von außen aber (noch?) nicht. Wir können aber auch jetzt schon da sein, zuhören, Stellung beziehen und lernen.


Von 11.-13. November sind 3 ukrainische GFK Trainerinnen bei uns und geben uns die Möglichkeit, zuzuhören und zu lernen. Sei dabei! Jetzt anmelden für das GFK Festival #GemeinsamWirksam.

Kommentare (2)

  • Danke Iris für Teilen und die Aufforderung genau hinzuschauen! Mir fiel und fällt es immer noch schwer, zu akzeptieren, dass es nach diesem Rückfall in die Ebene der Gewalt auch Antworten braucht, die auf genau dieser Ebene erfolgen, um Menschen zu schützen, um Menschlichkeit und die Errungenschaften der Demokratie zu erhalten. Ich habe mich schmerzhaft von liebgewordenen Überzeugungen verabschiedet und fiel in der Folge aus allerlei freundschaftlichen und kollegialen Netzwerken heraus. Ich erlebe Auseinandersetzungen mit Menschen, die sich ihrem Pazifismus eingerichtet haben wie in einem Haus, das sie sich irgendwann einmal gebaut und gemütlich ausgestattet haben, um es auf Lebenszeit zu bewohnen. Ich frage mich dann manchmal, ob ich irgendwie der einzige bin, der solchen Veränderungen in seiner Sicht auf die Welt unterworfen ist, aber ich letztlich bin auch bereit, mich vom Leben verändern zu lassen. Beste Grüße aus Halle (Saale)

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    Constanze Schäfer-Pfeiffer

    Dankbarkeit ist die stärkste Kraft die ich kenne. Dankbar am Leben zu sein ist für viele selbstverständlich. Dankbarkeit für einen weiteren Sonnenaufgang, Dankbarkeit für Menschen die einem Kraft geben. Ideale und Werte zu haben für die man bereit ist in den Krieg zu ziehen. Diese Kraft braucht man für ein glückliches Leben. Ich wünsche allen Menschen, die darunter leiden einen geliebten Menschen verloren haben oder Angst um einen geliebten Menschen haben, die Kraft des Schmerzes zu nutzen und zu schauen welches seiner Bedürfnisse jetzt wie berücksichtigt werden kann. Liebe Grüße Constanze

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