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Die einzige Konstante im Leben…

Geschrieben von Jürgen Engel am .

„Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung“, schrieb Heraklit, der auch als „der weinende Philosoph“ bezeichnet wird. Veränderung ist oft mit Schmerzen und Trauer verbunden, wenn die liebgewonnenen Verhältnisse und Gewohnheiten sich wandeln, wenn Erlebtes unwiederbringlich vergangen ist, wenn Beziehungen enden oder geliebte Menschen sterben.

Mit dieser Tatsache hadere ich schon, solange ich zurückdenken kann. Ich würde mich als „Gewohnheitstier“ bezeichnen. Ich mag es, wenn die Dinge möglichst so bleiben, wie sie sind. Vorausgesetzt natürlich, dass mir der aktuelle Zustand gefällt.

  • Wenn mir ein Restaurant gefällt, dann will ich gerne genau DA wieder hingehen.
  • Wenn mir eine Serie auf Netflix gefällt, dann möchte ich, dass sie nie endet.
  • Wenn mir eine Party Freude macht, dann möchte ich, dass sie so lange dauert wie möglich.
  • Wenn ich auf einem tollen Seminar bin, dann will ich, dass es immer weitergeht.
  • Wenn ich eine Freundschaft oder Beziehung schätze, soll sie auf ewig halten.
  • u.s.w. u.s.w.

Veränderung ist daher für mich zuerst einmal eines: Gefährlich!

Denn zwei Dinge können potenziell passieren, wenn sich die Dinge ändern:

1. Ein Zustand, Kontext, Beziehung etc., der mir gefällt, ist künftig nicht mehr verfügbar oder nicht mehr (genau) so, wie ich es am liebsten mag.

2. Es passiert etwas Neues, bisher Unbekanntes, das mir nicht gefällt.

Es scheint mir also primär darum zu gehen, die Dinge und Zustände, die mir gefallen, „festzuhalten“, und solche, die mir potenziell nicht gefallen, von mir fernzuhalten. Mit anderen Worten: Ich versuche, so viele Bedürfnisse wie möglich permanent erfüllt zu halten. Wenn die Dinge meinen Wünschen entsprechen, also Bedürfnisse erfüllen, sollen sie so bleiben, wie sie sind, während alles, was potenziell unerfüllte Bedürfnisse zur Folge haben könnte, strikt zu vermeiden ist. Das ist auf Dauer ganz schön anstrengend.

Es scheint mir dabei auch eine Art Glaubenssatz in mir aktiv zu sein. So in etwa: Veränderung birgt immer eine Gefahr. Oder noch drastischer: Wenn Dinge sich ändern, werden sie schlechter. Wenn ich das glaube, muss ich mich nicht wundern, dass ich jeder Veränderung erst mal skeptisch gegenüberstehe.

Es scheint mir, dass ich mit diesem Widerstand nicht allein bin. Als ich noch in Unternehmen angestellt war, wurde so gut wie jede potenzielle Veränderung zunächst abgelehnt, zumindest mal mit höchster Skepsis beäugt:

  • Wir ziehen in neue Büroräume? Ob ich da noch so einen schönen Fensterplatz habe…?
  • Wir bekommen eine neue Vertriebssoftware? Die ist garantiert nicht so benutzerfreundlich wie die alte…
  • Ein neuer Chef? Oh je, das kann nichts Gutes heißen…
  • Die Firma wird aufgekauft? Garantiert werden viele ihren Job verlieren…
  • Wir bekommen ein Kommunikationstraining? Sicher wieder so eine Maßnahme, damit wir dann noch mehr arbeiten…

Kennst du das auch in deinem Leben? Dieser reflexhafte Widerstand gegen Veränderungen?

Woher kommt das? Worum geht es uns da? Wie so oft hat mir auch hier der Blick auf meine Bedürfnisse große Erleichterung und Klarheit verschafft. Was versuche ich mir zu erfüllen, wenn am besten alles so wie immer bleiben soll?

Sicherheit fällt mir als erstes ein. Da ist es wieder, das berühmte Sicherheitsbedürfnis. Zu dumm nur, dass Sicherheit genau so eine Illusion ist wie Konstanz. Wenn Heraklit recht hat und sich grundsätzlich alles immer verändert, dann gibt es eben auch keine Sicherheit. Jedenfalls keine absolute.

Die Schriftstellerin Helen Keller hat dies für mich sehr treffend ausgedrückt:

“Sicherheit ist meistens ein Irrglaube. Sie kommt in der Natur nicht vor und auch die Menschheit erlebt sie kaum. Gefahren zu vermeiden ist langfristig gesehen, nicht sicherer als sich (dem Leben) völlig auszusetzen. Das Leben ist entweder ein kühnes Abenteuer, oder gar nichts.”

Und trotzdem haben wir doch dieses Bedürfnis nach Sicherheit. Was also tun damit? Mir hilft es am meisten, mich mit der Schönheit, der lebendigen Energie dieser Bedürfnisse zu verbinden. Es ist völlig okay, mich nach Sicherheit zu sehnen. Hach, wäre das schön, wenn immer alles planbar wäre, wenn ich sicher sein könnte, zu bekommen, was ich will, wenn meine Bedürfnisse immer erfüllt wären… Da stellt sich Entspannung ein, Leichtigkeit, innerer Raum und Ruhe. Es hilft, diese Sehnsucht zu spüren. Und es hilft, davon loszulassen, Sicherheit krampfhaft durch das Festhalten am Bekannten erreichen zu wollen.

Wenn ich dann tiefer, unter das Sicherheitsbedürfnis spüre, lande ich bei Vertrauen. Das kenne ich schon. Sicherheit scheint mir da regelrecht noch an der Oberfläche zu verweilen. Wenn ich annehmen kann, dass Sicherheit so nicht gegeben ist, taucht Vertrauen auf. Ja, ich möchte gerne Vertrauen haben. In mich, in das Leben, die Existenz, dass ich willkommen und versorgt bin. Dass genug für mich und alle da sein wird. Wenn ich dieses Vertrauen spüre, dann ist auch die Veränderung nicht mehr gefährlich. Ich vertraue, dass das Leben sicher ist und mich trägt. Und dass alles, was mir passiert, genau das ist, was jetzt gerade passieren muss und mir nützt. Auch wenn es im Augenblick vielleicht unangenehm und ein schmerzlicher Verlust ist.

Sicher sind noch zahlreiche weitere Bedürfnisse im Spiel, wenn wir uns gegen die Veränderung stellen. Wo gibt oder gab es bei dir Veränderung im Leben? Wie ging es dir damit? Welche Bedürfnisse waren dir dabei besonders wichtig?

Was mir am meisten geholfen hat, Veränderungen mit mehr Offenheit und Zuversicht anzunehmen, habe ich von Iris gelernt: „Ressourcenorientierung“. Damit ist der konsequente und frühe Blick auf den potenziellen Nutzen in einem Verlust oder einer Veränderung gemeint.

Das ist ein, zugegeben nicht immer einfacher, Life-Hack mit immenser, transformierender Kraft: Wann immer etwas passiert, das ich nicht mag, stelle ich schnellstmöglich die Frage:

– Was könnte der Vorteil dabei sein?

Das ist der sogenannte Blick auf die Ressource. Etwas endet oder verändert sich, etwas Unangenehmes taucht auf, und du fragst dich: „What’s in it for me?“. Je nach Situation ist vielleicht zunächst überhaupt gar kein möglicher Vorteil denkbar. Sei kreativ. Wie war es in der Vergangenheit bei solchen Veränderungen? Was könnte dadurch Neues, Besseres auftauchen oder passieren?

Rückblickend fallen mir dutzende Erlebnisse und schmerzliche Verluste ein, denen ich großen Widerstand entgegenbrachte, und in nahezu allen Fällen ist meist eher früher als später etwas Neues aufgetaucht, was „besser“ als das Alte war. Und immer bin ich innerlich gewachsen, habe dazugelernt, bin stärker und resilienter geworden und einiges mehr.

Probier‘ doch diesen „Ressourcen-Blick“ direkt mal selbst aus: Welche potenzielle Veränderung in deinem Leben beschäftigt dich gerade? Und was könnte der mögliche Nutzen sein? Was könnte besser werden? Was könnte es dir erfüllen? Wenn du magst, teile es gerne im Kommentar. Ich bin sehr gespannt! 😊

Herzlich
Jürgen

P.S. Bei dir gibt es gerade signifikante und herausfordernde Veränderungen im Leben? Du möchtest grundsätzlich besser mit den Unsicherheiten des Lebens zurecht kommen?

Dann ist vielleicht unser Jahresprogramm „Voll im Leben – JETZT“, welches im Januar 2025 in die nächste Runde geht, das Richtige für dich.

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