Gefühle sind nicht gefährlich. Ich bin sicher!
Der folgende Text gibt den gesprochen Inhalt des Videos wieder:
Gefühle sind nicht gefährlich. Das ist mir kürzlich noch mal sehr viel tiefer klar geworden. Auf den ersten Blick klingt es trivial, aber ich fand es gar nicht trivial.
Passiert ist es, als ich mal wieder im Garten saß, an einem Ort, wo ich gerne länger Zeit mit mir verbringe. Ich nenne es nicht Meditation, weil sich das als nicht so hilfreich erwiesen hat. Ich sitze einfach und beobachte. Und was dann ganz oft passiert, innerhalb von Minuten: Das eine oder andere herausfordernde Gefühl taucht in mir auf.
Diesmal konnte ich es auf eine andere Art beobachten. Und in mir ist klar geworden, mehr auf einer Erfahrungsebene: Dieses Gefühl, wie auch immer es sich genau anfühlt, herausfordernd oder unangenehm, ist nicht gefährlich. Es bewegt sich hier drin und produziert Energie, und irgendwann hört es auf und es passiert nichts weiter.
Ich sterbe nicht, ich platze nicht, nichts passiert. Außer dass ich vielleicht Angst kriege vor diesem Gefühl. Aber das Gefühl an sich ist einfach die Energie da drin, die tut mir nichts. Ich hätte fast gesagt, die tut nicht weh. Ich weiß nicht, ob ich so weit gehen will. Aber es tut mir erst mal nichts.
Das war keine theoretische Erkenntnis, das ist mir sehr tief klar geworden.
Die Kernidee liegt nah an der Gewaltfreien Kommunikation: Ein Gefühl ist erst mal nur eine Information. Eine Wahrnehmung, die da drin passiert. Das hat der Körper sich ganz intelligent ausgedacht. Und es bleibt nicht für immer. Es ist da, um mich zu informieren, um irgendwas zu tun. Und dann geht es wieder. Nicht mehr und nicht weniger. Das gilt auch für die tiefsten und schwierigsten Gefühle.
Warum aber ist es so schwer auszuhalten? Warum haben wir so eine panische Angst davor?
Das liegt naheliegenderweise in den frühen Erfahrungen, meistens sehr früh, als wir klein waren und heftige Gefühle auftauchten: Scham, Angst, Hilflosigkeit, Trauer. Die waren damals unerträglich, weil keine Ressourcen da waren, weil ich vielleicht keine Hilfe hatte und das System völlig überfordert war und nicht wusste, was es damit tun soll. Und dann hat unser System beschlossen: Das ist gefährlich, das ist unangenehm, das wollen wir nicht mehr erleben. Das geht gar nicht.
Und da bilden sich die inneren Anteile aus, wie wir im IFS, im Internen Familiensystem, oder in anderen Modellen sagen. Unsere Schutzstrukturen. Anteile, deren primärer Job es ist, die ganze Zeit aufzupassen, dass keine Situation passiert, die irgendwelche von diesen unangenehmen Gefühlen aufbringt. Bzw. solche Situationen strikt zu vermeiden oder schnellstmöglich wieder rauszukommen.
Also die ganze Zeit möglichst gute Gefühle zu haben und die unangenehmen zu vermeiden. Ein bisschen pauschalisiert, aber nicht sehr stark übertrieben. Und diese inneren Anteile sind 24 Stunden aktiv, beim Schlaf vielleicht ein bisschen weniger, und passen die ganze Zeit auf.
Das ist unglaublich anstrengend und es kostet eine Menge. Eine Folge davon: Schon bei den kleinsten Signalen gehen unsere inneren Anteile auf Alarm.
Mit Menschen sowieso. Da guckt mich jemand schief an oder gar nicht an, hat einen komischen Unterton, sagt irgendwas, kritisiert mich, und sofort gibt es Alarm, weil das schwierige Gefühle produziert.
Es geht so weit, dass es die Anwesenheit anderer Menschen überhaupt nicht braucht, um diesen Schutzreflex anspringen zu lassen. Das finde ich besonders faszinierend, und ich experimentiere damit schon lange, weil ich gerne sitze und beobachte, was innen drin passiert. Es reicht schon, einfach nur dazusitzen und nichts zu tun. Das ist Trigger genug.
Denn meist innerhalb von Minuten, manchmal von Sekunden, taucht ein unangenehmes Gefühl auf. Erst mal vielleicht nur subtil, eine Nervosität, eine Angespanntheit. Und sofort gibt es einen Reflex, einen Anteil, der anspringt, um das zuzumachen, um uns abzulenken.
Die Nummer-eins-Strategie ist heutzutage das Handy. Es ist immer da, immer zur Hand, bietet super Ablenkung, und Dutzende, wenn nicht hunderte Male am Tag greife ich dazu. Insbesondere wenn eine Lücke oder eine Leere auftaucht, habe ich sofort einen starken Impuls, einen Reiz, den ich mir besorgen kann. Und der lenkt mich ab, der bringt mich woanders hin. Dann suche ich was Nettes, einen Facebook-Post oder eine Nachricht. Hat mich jemand geliked? Oder es sind sogar unangenehme Nachrichten. Auf jeden Fall lenken sie mich ab von dem, was da ist.
Es gibt hunderttausend andere Strategien. Wenn es nicht das Handy ist, dann etwas zu konsumieren: ein Buch, Musik, etwas zu essen, etwas zu tun, Sport zu machen, jemanden anzurufen, nachzudenken. Auch Nachdenken ist Etwas-Tun. Dann „hirne“ ich rum, mein Geist ist beschäftigt, und die unangenehmen Gefühle treten in den Hintergrund.
Das ist meines Erachtens auch der Grund, warum viele Menschen keine Lust auf Meditation haben oder sagen, Meditation sei nichts für sie oder funktioniere bei ihnen nicht. Weil genau das passiert. Meditation ist für mich eine Art von Nichtstun. Wenn ich mich hinsetze und still werde, dann gibt es Raum. Und in diesen Raum treten ganz oft Gefühle ein. Unter anderem deswegen, weil sie die ganze Zeit schon darauf warten, mit ihren Informationen gefühlt und anerkannt zu werden.
Das mit den Gefühlen ist ein tiefes Thema. Für alle, die sich mit der Gewaltfreien Kommunikation beschäftigen, spielen sie eine große Rolle. Das ist eine große Stärke der GFK, dieser Fokus auf die Gefühle, und ein Vokabular zu entwickeln, um benennen zu können: Ah, das hier ist vielleicht Trauer, das ist vielleicht Angst oder Nervosität. Das Identifizieren, Benennen und Verbalisieren ist unglaublich wertvoll. Man weiß auch, dass es das System allein schon beruhigt, ein Gefühl einordnen und benennen zu können.
Und gleichzeitig, das ist deutlich subtiler und ich habe es erst kürzlich für mich herausgefunden, und es fehlt mir in den vielen Seminaren, die ich besucht habe: Es gibt auch eine deutliche Gefahr beim Benennen dieser Gefühle. Wenn ich sage, da ist Angst, Punkt, dann ist da Angst. Aber in einem Großteil der Fälle kommt sofort ein Gedanke oder eine Bewertung dazu.
Da ist Angst. Und das ist nicht gut. Oder das ist gefährlich. Oder das will ich nicht haben. Oder das ist problematisch. Oder das ist ein negatives Gefühl. Wie kümmere ich mich darum?
Insbesondere wenn es ein Gefühl ist, das mit unerfüllten Bedürfnissen einhergeht: Oh, unerfülltes Bedürfnis, das ist nicht gut, das ist ein Mangel, das muss ich beheben. Es kommt meistens jede Menge Bewertung sofort mit der Benennung des Gefühls dazu.
In den Einführungsseminaren habe ich sie oft aufgeschrieben, die unangenehmen in Rot, die angenehmen in Grün. Wir sagen natürlich nicht gute und schlechte Gefühle, so weit sind wir schon, sondern die Gefühle, die auftauchen, wenn Bedürfnisse erfüllt sind, und die, die auftauchen, wenn Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Erst mal eine recht neutrale Beobachtung.
Und gleichzeitig geht damit einher: erfüllte Bedürfnisse: gut, unerfüllte Bedürfnisse: nicht so gut, sollten behoben werden. Ein Alarmsignal. Für mich steckt da eine tiefe Bewertung drin.
Ich habe das lange an mir beobachtet, wenn ich als Teilnehmer in Gruppen saß. Bevor ich etwas sagen wollte, kamen diese Gefühle auf: Herzklopfen, Wallungen, Enge in der Brust, Schmetterlinge im Bauch. All das habe ich als Angst und Nervosität identifiziert, und sofort kam die Bewertung: Oh nee, jetzt habe ich wieder Angst, wie blöd, jetzt wird meine Stimme zittern oder ich vergesse, was ich sagen wollte. Dann sage ich lieber nichts. Dann warte ich lieber auf einen Zustand der inneren Ruhe, und dann sage ich was. Und wenn dieser Zustand dann eingetreten war und ich mich bereit gemacht hatte, war die Nervosität wieder da, und ich wollte nichts mehr sagen.
Irgendwann habe ich das bemerkt, das ist schon eine Weile her, und habe gesagt: Lass mich doch mal dieses Label weglassen und einfach die Energie als Energie fühlen. Dann war es Aktivierung. Das Herzklopfen war immer noch da, aber was, wenn es einfach ein Anzeichen ist, dass gerade etwas wichtig ist? Dass mein Herz für etwas klopft, das mir am Herzen liegt, eine Sehnsucht, etwas, das gesehen werden will und raus will, und ich mache mich bereit dafür. Egal ob das stimmt oder nicht, es war ein anderer Blick, und es hat etwas verändert.
Das war auch ein Thema in unserem kürzlichen Awakening to Life, der Dyadenwoche. Da sitzen wir viel im Kreis, und vorher spüren wir unsere Gefühle in den Dyaden. Irgendjemand sagte sinngemäß: Ich habe mal gehört, wenn das Herz anfängt zu klopfen, ist es ein Zeichen, dass etwas raus will, dass man etwas sagen will. Das hat mich sehr gefreut. Es wurde regelrecht zu einem Thema, das viele aufgegriffen haben, weil es vielen genau so geht. Am Ende war es fast ein Running Gag, bevor jemand etwas sagte: Ah, ich merke mein Herzklopfen, offenbar will was raus. Das war schön. Das war erleichternd.
Ich lese gerade ein Buch von Josh Pais, „Lose Your Mind“. Er geht mit derselben These rein: Gefühle sind Energie, Gefühle sind gut. Er ist Schauspieler, und Schauspielern sagt man ja auch, man müsse ruhig sein, nervös in die Probe oder in den Dreh zu gehen sei nicht gut. Er argumentiert: All diese Gefühle sind kreatives Fuel, kreative Energie, und du kannst sie nutzen. Wenn du die Angst vor ihnen fallen lässt und sagst, die dienen mir alle, dann gibt es eine riesengroße Befreiung und ein Anzapfen deiner Energie und deines kreativen Potenzials. Eine ganz spannende These.
Mit das schwierigste Gefühl für viele von uns, mich eingeschlossen, die längste Zeit, jetzt nicht mehr, ist die Trauer. Eines der am stärksten vermiedenen Gefühle. Ich erinnere mich, dass ich in der Jugend nie traurige Musik gehört habe, immer nur lustige. Das verstehe ich heute. Es hätte die Trauer verstärkt und an die Oberfläche gebracht. Für viele ist genau das eine Praxis: Wenn eine Beziehung zu Ende geht, tue ich mir richtig melancholische Musik ins Ohr, um die Trauer zu genießen. Nichts wäre mir ferner gewesen. Und erst später habe ich verstanden, warum.
Statt der Trauer wählen viele von uns beziehungsweise unsere Anteile ein Ersatzgefühl. Man ärgert sich über irgendwas, ist genervt oder gefrustet. Gedanken kommen dazu, und das ist ganz oft eine Vermeidung. Das kann man sich fragen, wenn man sich mal wieder ärgert oder ein intensives anderes Gefühl hat: Könnte das eine Ablenkung sein von Trauer, die sich gerade zeigen will, wegen unerfüllter Bedürfnisse zum Beispiel?
Das Tragische daran ist, dass Trauer einen der tiefsten und energetischsten Zugänge zu meiner Lebendigkeit erlaubt, zu meiner inneren Energie. Das war bei Robert Gonzales, die lebendige Energie der Bedürfnisse, diese Lebensenergie. Wenn ein Bedürfnis unerfüllt ist, produziert es, solange ich keine Geschichten und keinen Widerstand aufbaue, erst mal einfach Trauer. Das hätte ich gern gehabt, danach sehne ich mich, und es ist gerade nicht da. Und in dieser Trauer bekomme ich einen ganz tiefen, energetischen und wunderschönen Zugang zur Schönheit dieses Bedürfnisses, zu dieser Qualität. Die kann ich dort mindestens genauso gut erleben wie in ihrer Erfülltheit.
To „meet“ your need, hat Robert Gonzales gesagt, heißt nicht nur, das Bedürfnis zu erfüllen, sondern Kontakt mit dem Bedürfnis zu haben. Und in dieser Trauer kann ich ganz tiefen Kontakt zum Bedürfnis haben. Das rauszufinden ist eine riesen Öffnung. Kann ich nur empfehlen.
Ich möchte noch ein kleines Experiment vorschlagen. Du kannst es direkt ausprobieren, es dauert nur wenige Minuten:
Es geht darum, dich hinzusetzen und ein paar Minuten zu beobachten, was innen drin passiert. Ganz besonders fokussiert auf deinen emotionalen Zustand, auf die Gefühle, die auftauchen. Man kann alles Mögliche beobachten. Meistens sind wir damit beschäftigt, die Gedanken zu beobachten, die im Kopf rumschwirren, die haben oft die größte Energie. Oder mit offenen Augen das, was draußen los ist, was ich höre, was mich gerade stört.
Ich schlage etwas anderes vor: sitzen und nichts tun. Nenn es nicht Meditation, nenn es Experiment im Nichtstun und im Gefühle-Beobachten. Setz dich hin und beobachte.
Wenn du nichts tust, wird in der Regel in weniger als fünf, weniger als drei Minuten etwas auftauchen, bei den meisten sehr viel schneller. Und meistens ist es erst mal nicht so angenehm. Vielleicht tauchen auch Freude und Schönheit auf, dann genieß es. Funktioniert auch. Was immer auftaucht, beobachte es.
Was bei den allermeisten Menschen zuverlässig passiert, auch bei mir: Irgendetwas nicht so Angenehmes taucht auf. Oft erst mal subtil. Eine Unruhe. Langeweile. Genervtheit. Gefolgt von einem Gedanken: So ein Blödsinn, dafür habe ich keine Zeit. Was für eine unnütze Übung. Was soll das? Funktioniert bei mir nicht. Irgendetwas kommt dir in den Kopf.
Und dann taucht sofort der Reflex auf, die Übung abzubrechen, ins Handy zu gucken oder das Übliche zu machen. Und genau da ist meine Einladung. Es kostet dich nur ein paar Minuten, diesen Moment wahrzunehmen. Den Moment, in dem ein Gefühl auftaucht. Was immer es ist, meistens nicht so stark. Eine leichte Unruhe, eine Anspannung.
Beobachte das. Beobachte den Reflex, es wegzumachen, dich abzulenken, etwas anderes zu tun, die Übung abzubrechen. Und dann tu das Unglaubliche: Bleib sitzen. Bleib noch etwas länger und halte es aus. Halte die Spannung aus, zu spüren, ich will das nicht, und ich bleibe trotzdem noch ein bisschen länger. Das ist alles. Und dann beobachte, was passiert.
Gefühle sind immer in Bewegung. Das ist ganz faszinierend. Wenn ich wach dafür werde, wenn ich sensibel dafür werde, ist es das spannendste Universum, das du dir vorstellen kannst. Beobachte, was mit diesem Gefühlshaushalt passiert. Sie bewegen sich ständig, wenn du es ein bisschen länger hältst. Und vielleicht experimentierst du: Wie lange kann ich es halten? Fünf Minuten, sechs, acht, zehn Minuten. Das wäre schon richtig, richtig lang.
Lass dich überraschen, was auftaucht. Und ich freue mich über Rückmeldungen. Wenn du es ausprobierst, lass mich wissen, wie es war und was du erlebt hast. Ich bin gespannt.
Du hast Lust bekommen dich mehr mit deinen Gefühlen und Anteilen zu beschäftigen?
Im Februar 2027 beginnt unsere nächste Jahresgruppe: „Voll im Leben – JETZT“, bei der wir in vier Retreats über ein Jahr hinweg in unsere Innenwelt, Gefühle, Bedürfnisse, Anteile und mehr eintauchen. Aktuell sind noch Plätze frei.





Huhu
Ich war in meinem Leben an einem Punkt, an dem ich aufgrund der negativen Bewertungen von Gefühlen manche Gefühle nahezu komplett vermieden habe, vor allem Traurigkeit und Scham. Das hat einen starken körperlichen Schmerz verursacht, der sich dafür eingesetzt hat, alle Gefühle wieder zu spüren, da ich mich ohne sie verliere und nicht gut für mich sorgen kann. Heute verinnerliche ich immer wieder diesen Leitsatz: „Meine Gefühle sind gut und hilfreich für mich. Ich möchte sie spüren.“ Ja, gut und hilfreich sind auch Bewertungen und gleichzeitig mag ich sie im Zusammenhang mit Gefühlen und möchte weiterhin genau auf diese Weise denken, weil sie für mich die Tür zu den Gefühlen öffnen und diese willkommen heißen, ohne sie in verschiedene Kategorien zu unterteilen.
Viele liebe Grüße und vielen Dank für das Teilen deiner Gedanken, die immer wieder eine Bereicherung für mich sind
Katrin ☀️
Lieber Jürgen
Ich bekomme ein weites Herz, wenn ich deinen Beschreibungen lausche.
Mit unangenehmen Gefühlen vertraut werden und mich mit mir selbst anfreunden gerade da, wo es ruft nach mir und meiner Fürsorge und Zeit.
Mir hat sehr geholfen, die Innere Kindarbeit von Bradshow zu erlernen und meine Erfahrungen von Gegenwärtigkeit leben in vielen Stunden Gestaltgruppentherapie .
Dadurch weiß ich, es genügt, bei einer Sache anzufangen und zu Sein mit dem, was die Seele gerade zeigt.
Dies tiefe Vertrauen in die Seelenkraft oder Lebendigkeit in mir, ist gewachsen und führt mich klar und weise, jedoch oft nicht logisch für den Kopf.
Ich lade dann den Kopf freundlich ein, eine kleine Ruhepause zu genießen und sich mittragen zu lassen.
Später brauche ich ihn (Kopf) ja wieder für Strategien und Notizen.
Danke Jürgen für dein Teilen und Teilhabend lassen.
Ich kann gut folgen, weil du deine tiefsten eigenen Erfahrungen beschreibst.
Das gerade macht es mir wertvolle und ich fühle Verbindung, ohne denselben Weg zu gehen.
Gruß Gabriele
Hey Jürgen,
danke für dein Video. Ich musste grinsen bei den GFK Listen mit den Gefühlen für erfüllte und unerfüllte Bedürfnisse und ich freue mich darüber, wenn du die „Fallen“ darin aufdeckst! Und ich schwinge total mit bei dem Gedanken, alle Gefühle als gleichwertig und als Geschenk zu sehen.
Gleichzeitig fehlt mir in deinem Video noch etwas. Ich konnte früher manche Gefühle / Gefühlszustände tatsächlich nicht aushalten, weil sie mich total überflutet haben. Und ich finde es deshalb wichtig, noch einmal zu unterscheiden zwischen einem Gefühl und einer Trauma-Reaktivierung, einem Flashback und Ähnlichem.
Ich weiß nicht, ob du ein Mensch bist, der Gefühle gut in seinem Körper containen kann, also im eigenen Körper spüren kann und damit ein Gefäß für sie hat. Menschen, die Traumafolgen tragen, haben diese Fähigkeit oft nicht (ich kenne das von mir) und somit geringere Kapazität. Ich finde es hilfreich im Kopf zu haben, dass Systeme unterschiedlich viel Intensität prozessieren können.
Mir hat es z.B. total geholfen, Regulation zu lernen und mich damit aus einer völligen Überflutung von Gefühlen wieder herausholen zu können.
Ich vermute sehr, dass wir in diesen Punkten übereinstimmen. Das ist ja auch das, was du mit den Anteilen benennst. Mir war es wichtig, das nochmal zu benennen.
Und zu dem, was du über Meditation sagst, dass dabei oft schnell unangenehme Dinge auftauchen: Da habe ich Lust, dich auf etwas einzuladen, was ich selbst gerade erst lerne und noch nicht ganz verstehe – was aber bei mir gut funktioniert..
Ich lerne gerade einen Ansatz kennen, der sagt, dass der Status unseres Nervensystems dabei eine große Rolle spielt. Dass bei Menschen mit Entwicklungstrauma, wenn sie sich auf ihr Inneres fokussieren, sehr schnell die negativen Dinge hochkommen können, weil wir gelernt haben – bzw. uns selbst unbewusst darauf konditioniert haben –, ihnen mehr Aufmerksamkeit zu geben.
Was dieser Ansatz deshalb empfiehlt, ist, zuerst in die Orientierung zu gehen. Orientierung meint Kontakt zur Außenwelt über die Sinne. Wenn du zum Beispiel die ersten zwei Minuten deiner Meditation damit verbringst, dich im Raum umzuschauen, deine Augen dahin gehen lässt, wo sie gerne hinschauen wollen, und / oder hörst oder wahrnimmst, was du von der Außenwelt ertastest – mit der Frage: „Wie nimmt die Außenwelt gerade jetzt Kontakt mit mir auf?“ – und erst danach mit der Meditation startest, ist zumindest bei mir das Ergebnis ein komplett anderes.
Ich erzähle dir das auch, weil viele Meditationslehrer bei Steve lernen. Vielleicht kannst du damit ja etwas anfangen.
Liebe Grüße
Diane